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HoherKasten

HoherKasten

…ich kann kaum mehr laufen und doch laufe ich so leicht wie eine Feder…
…um 2h auf der Spitze des Hohen Kastens gegenüber von Dornbirn und einem Blick auf das Rheintal sowie Bodenseeregion unermesslicher Schönheit…in Watte gepackt das Tal…Nebelbrücken ohne Enden…ein Blick wie aus dem Fenster eines Fliegers…

…die Sonne ist intensiv…das Licht verzaubernd…ich bin spät und nehme die Bahn bergauf… ich weiss: ich werde in tiefster Dunkelheit absteigen…7 Stunden unterwegs…5 Stunden Laufen…2 Stunden Fotografieren…keine Pausen…einzig zum Anhalten, Innehalten, Fokusieren und Abdrücken…was ein Marathon der anderen Art…500 Bilder kommen raus…12 AAA Batterien verschossen…mein Gesicht strahlt von Innen nach Aussen…ich spüre welche Schätze dabei sind…ich bin glücklich und ich komme aus dem süffisanten Grinsen nicht mehr heraus…eine Schweizerin fragt mich ob es mir guat geht…oh ja antworte ich; wollen wir zusammen einen Kaffee trinken an der nächsten Hütte fragt Sie mich unverblümt…wir lachten beide kerzengerade heraus…ja wenn guat ’tut’…wir trafen uns später und taten dies miteinand’…

danach ging jeder seiner Wege weiter…sie nahm die Route entgegengesetzt zu mir…ein letztes Winken…ein letztes schönes Lachen…sie war naturverbunden ungeschminkt und so belassen wunderschön…sicher wäre sie mir im Tal irgendwo an einem See auch aufgefallen…doch hier oben im Spiegelbild der Schöpfung fallen mir selbst bei Ihr Dinge auf, die mir in der anderen Welt augenscheinlicher Schönheit verborgen bleiben würden; die Art wie sie fotographierte, wie sie sich vor der Schönheit der Natur gar ‘verbeugte’, wie sie stand als auch sich bückte und hin zum Geschehen bildhafter Suchés sich bewegte…wie mutig und geschickt sie an den Berghängen ‘kletterte’…wir lachten viel und irgendwie ist zu spüren wie auch unsere Körper miteinander sprechen…keiner weiss es und doch: in unseren Köpfen ähnelten sich die GedankenPaare mehr und mehr…

…wir wussten beide: ab 18h ist der Berg leer…einige FotografenINNEN waren noch ‘oben’…doch auch diese werden verschwunden sein bei zunehmend schlechteren Lichtverhältnissen…

…so verbleibe ich für mich dort oben und gebe mich dem Naturschauspiel nackter Gedankengerichte hin…

…ich denke kurz darüber nach, wie es wohl wäre hätte ich meine Isomatte und Schlafsack dabei…im Auto ist alles vorhanden…ich spürte es wird einmaliger Besteigung werden, doch so intensiv…ich bin selbst überwältigt und sprachlos dieser Schönheit…nun gut sage ich mir…irgendwann wieder…und dann mit allem das es braucht um dort auf einer Almwiese am Steilhang zu ‘campieren’…

…es war so still…eine Stille wie ich diese noch nie zuvor erlebte….nicht ein einziges Tier war zu hören….ewige Stille…so noch nie erlebt und durchlebt…

…der Nebel schob sich höher und höher in die Täler der Bergschluchten…doch bei 1500 Metern war Schluss….langsam bergab…die Sterne leuchteten mir noch des hellen kalksteinfarbenen Weges…bis die zähen Nebelbänke auch mich einhüllten…es ist stockfinster geworden…ich sehe die Hand vor meinen Augen nicht mehr; meine Stirnlampe zeigt millionfache schwebende Tröpfchen an…ich bin umzingelt…überall um mich herum rauschen Bäche die steilen Tobel hinab…ich kenne den Weg…sicher….doch jeder Schritt ist ein Schritt in ein ungewisses Abenteuer…ich bin angespannt und doch lausche ich entspannt dieser Stille…ich denke darüber nach wie es wohl sei würde ein Wolf urplötzlich vor mir stehen…vermutlich ebenso überrascht wie ich es so wäre…wir würden einander grüssen und jeder seiner Wege weitergehen…

2 Stunden nun geht es senkrecht bergab…nach 4 Stunden auf dem Kamm beginnen die Kniescheiben an zu ‘jucken’…20% Gefälle…das zieht mir an den Sehnen…mon dieu…ich wünschte mir auch ich könnte ab und an einfach rückwärts laufen…meine Augen nach hinten drehen und weiter ginge es…es ist gespenstisch schön…mein Atem spiegelt sich im Kegellicht der Stirnlampe…marginal verändert sich die Sicht…der Nebel wird dichter…das Licht der Lampe unmerklich schwächer…ich übe wie es wäre wenn: totale Lichtfinsternis…es wäre ein Märtyrium…ohne Licht…okay, das Mobiltelefon könnte noch…ja, doch für wenige Minuten Lichtquelle sein…das Blitzlicht der Kamera…sicher…doch es würde meine Augen nur noch mehr auf Sichtbares lenken…ich stelle mich darauf ein: nicht mehr lange und ich werde in völliger Finsternis wandeln durch dieses feuchte Tal hinab zum Parkplatz…

…irgenwann kam ich an…es ist 21h…die Kirchturmuhr bewegt mit jedem Glockenschlag die wattige Szenerie durchleuchteter Nebelbänke drumherum…ich habe noch die Matratzen im Kombi hinten…mir schmerzen die Gelenke…nicht nur derer im Knie…auch die Ellenbogen durften durch viel Armarbeit Ihren Tribut zollen…hätte ich nun einen Wunsch frei: ich läge mich einfach so wie ich bin hinten in den Font meines Wagens…jede Form an Weichheit sei es eine Decke…eine Matratze…ein kuscheliger Wollpullover…alles ist himmschlich schön in diesem Moment wo ich durstig bin, müde und doch so glücklich mit einem: der Einfachheit des Seins…

Ich fahre los…will ich in einer Stunde in Konstanz sein und mir noch 2 Bierchen vom Döner_Hüsli zuvor abholen…ganz klar…hätte ich Bier an Bord gehabt auf dieser feuchten Wiese wo mein Wagen geparkt ist, ich würde all meine Vernunft über Bord werfen und dort übernachten…die Standheizung 4 mal einstellen…es würde wonnig warm aus den Heizdüsen blasen…wäre da nicht: ja, die 30 Euro für die Ferienwohnung…ich muss selbst lachen…es ist mir wichtig…ich fahre los…

Für das nächste Mal…plane ich nichts…so meine Erfahrung…wer existenzielle Obhut mit sich führt, in sich trägt und überall der Wege findet dies zu leben…der braucht nicht planen, der braucht nichts fürchten…es ist alles da…Wasser war da zum Waschen; selbst in grösster Dunkelheit…klares Wasser…sicher kalt…doch jedwede Nacktheit wäre nicht sichtbarer Natur…Schamgefühl auf natürliche Art und Weise…die Dunkelheit verschluckt alles…und ein Schlafgemach lässt sich auch überall finden…

Ich dachte mir auf der Rückfahrt ins komfortable Zimmerchen:

was braucht der Mensch wirklich um seines Glückes Schmied zu sein?

 

3 Antworten zu HoherKasten

  1. Carsten Donath

    Oktober 10, 2010 at 5:20 nachmittags

    Sei gegrüßt Anam cará!
    Danke für diesen Bericht, der sehr eindrücklich beschreibt, wie es gelingen kann, über sich selbst hinauszuwachsen. In mir tauchten beim lesen viele Erlebnisse auf, die ähnliche Momente beinhalteten und mein jetziges Sein starkprägten. in der Erinnerung , sind es diese Momente , die ich über mein wunderprächtigfarbiges Leben berichten würde. Insofern enthält der Text schon die Antwort zur Frage.
    Was brauche ich, um meines Glückes Schmied zu sein?
    Ich empfinde mich als Boot auf stürmischer See und benötige immer mal wieder Lichtpunkte in Form von Leuchttürmen,die mir das gefühl von Heimat vermitteln. Ich brauche meine zwei unterschiedlichen Seelenbrüder, meinen anam cará, die mir inmitten tosender See helfen, die Hoffnung und ein Urvertrauen zu bewahren, ich benötige das Schnurren meiner Katzen, den Tautropfen im Spinnennetz, die Pfütze , in die ich lachend springe, das Barfusslaufen auf grünen Wiesen, Wasser, Wasser, Wasser, Berge, Sonnenauf- und abgänge,wogende Getreide- und Rapsfelder, ein Lagerfeuer, den stürmischen Wind, um Gedanken frei zu bekommen, den Dialog mit mir wichtigen Menschen und das Leuchten der Augen, wenn ich jungen Menschen wieder näherbringen konnte, dass u.a. Mathematik wunderschön, voller Harmonie und eigentlcih ein wundervolles Spiel ist. Ich brauche die Musik der alten Meister und der neuen, ich brauche eine offene Kirchentür ohne ihre Institution, den Geruch frischgebackenen Brotes, einen Schluck Wasser und ein Stück Käse. Ich brauche das Gefühl, etwas bewältigt, etwas geschaffen, einen kleinen Beitrag zur Gesundung des Umweltbewusstseinas unternommen zu haben . Ich brauche das wilde Tanzen und die Möglichkeit des Singenkönnens. Manchmal brauche ich ein weiches Bett, den Gesang der Vögel, die sturmgepeitschte See, Bäume und dahinziehende Wolken. Zu begreifen, dass das leben ein tägliches Fest ist, macht mich demütig , neben allem Übermut.

     
  2. christophe*

    Oktober 11, 2010 at 2:30 nachmittags

    JA min anam cará,

    ob welcher Berge und Täler der Wogen so schön…auch Dein Bericht erinnert mich dessen ich meines Lebens übermütig ward’…in Erinnerung derer Szenerien ergreift auch meine Wenigkeit heute eines sogleich: wundervoll reichhaltige Demut…ich danke Dir von Herzen Deines, dieses ‘Gedichtes’…namaskar…

     
  3. katrin scholz

    Oktober 25, 2010 at 6:47 nachmittags

    … auch ich erinner’ mich …

    habe meine Sinnes – Erlebnisse-, Erfahrungen-, Erinnerungen

    an diesen Berg und solche Tour …

    sich bewegen und Sein

    in traumhaft schöner, reiner Natur …

    WAS GIBT ES SONST zu tun …

    DANKE für die berürende Beschreibung …

    Namasté … xox Katrin

     

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